Bearbeiten von PLEXIGLAS®

Was ist beim werkstoffgerechten Schneiden von PLEXIGLAS

mit Stichsägen, Bandsägen und beim Ritzbrechen zu beachten?

Das Blatt der Stichsäge sollte feinzahnig und leicht geschränkt sein. Die Verpackung der Stichsägeblätter muss den Hinweis tragen, dass die Blätter für die Bearbeitung von harten Kunststoffen geeignet sind. Beim Arbeiten mit der Stichsäge sind folgende Hinweise zu beachten:

- Pendelhub auf Null bis 4 Millimeter (mm) Plattendicke einstellen, darüber auf Stellung 1 bis

2, mittleren Vorschub wählen 

- hohe Schnittgeschwindigkeit einstellen 

- nur mit laufender Maschine an das Werkstück herangehen 

- Sägeschuh fest auf die Schutzfolie aufsetzen 

- ab einer Plattendicke von 3 mm ggf. mit Wasser oder Druckluft kühlen

- bei Aussparungen sollten an den Schnittkantenecken Löcher vorgebohrt werden, um 

Kerbwirkungen und damit Bruchgefahr am Werkstück zu vermeiden

Für Kurvenschnitte und das Besäumen von Formteilen aus PLEXIGLAS

werden häufig die in der Holz- und Metallindustrie üblichen Bandsägen eingesetzt. Ihre Blätter sind grundsätzlich leicht geschränkt. Dies führt bei allen Materialien zu etwas raueren Schnittkanten als man sie von der Kreissäge gewohnt ist. Daher muss in der Regel die Kante nachbearbeitet werden. Die jeweilige Bandbreite des Blattes – sie kann zwischen 3 und 13 mm liegen – wird bestimmt von dem gewünschten Formschnitt und dem eingesetzten Maschinentyp. Die Anzahl der Zähne sollte zwischen 3 und 8 Stück pro Zentimeter (cm) Bandlänge betragen. Die Bandgeschwindigkeit (= Schnittgeschwindigkeit) kann zwischen 1.000 und 3.000 Meter (m) pro Minute (min) variieren.

Als Faustregel gilt: Je kleiner die Schnittgeschwindigkeit, um so größer die Zahl der Zähne.

 

Es ist darauf zu achten, dass die Platten während des Schnittvorgangs weder flattern noch vibrieren.

Platten aus PLEXIGLAS

lassen sich bis zu einer Materialdicke von 3 mm mit einem Ritzmesser entlang eines Lineals oder einer Kurvenschablone mit nicht zu engen Radien ritzen und anschließend sauber brechen. So entstehen spannungsarme Bruchflächen, die nicht getempert werden müssen. Die Kanten der Bruchflächen sollten mit einer Ziehklinge entschärft werden. PLEXIGLAS

Resist ist zum Ritzbrechen nicht geeignet.

Was ist beim Flammpolieren von PLEXIGLAS

zu beachten?

Eine Möglichkeit des Kantenpolierens von PLEXIGLAS

ist das Flammpolieren. Beste Ergebnisse werden erzielt, wenn die Schnittkante zuvor mit der Ziehklinge und danach mit einem feinen Schleifmittel, Körnung 400 bis 600, auf Mattglanz gebracht wird. Die durch das Flammpolieren entstehenden zu hohen Oberflächenspannungen machen ein nachträgliches Tempern unabdingbar, um im späteren Einsatz Rissbildung zu vermeiden, insbesondere bei Kontakt mit Klebstoff- und Lacklösungsmitteln oder mit Reinigungssubstanzen.

Flammpolieren kann bei stark eingefärbten Platten schwierig sein und zu einem matten Finish oder einer Verfärbung führen. Wird nicht sorgfältig gearbeitet, kann es auch zu einem Überschlagen der Flamme auf die Plattenfläche hinter der Schnittkante und damit zu thermisch bedingten Materialspannungen und optischen Störungen kommen.

Was ist beim Bohren von PLEXIGLAS

zu beachten?

Um Spiralbohrer für PLEXIGLAS

werkstoffgerecht einsetzen zu können, muss der Spitzenwinkel von normalerweise 120 Grad (°) auf 60 bis 90° verringert werden. Der Spanwinkel muss auf einen Wert zwischen 0 und 4° zurückgeschliffen werden. Nur dann kann der Bohrer richtig arbeiten: er schabt statt zu schneiden, dadurch werden Ausbrüche beim Austritt des Bohrers aus der Platte vermieden werden. Der Freiwinkel sollte mindestens 3° betragen.

Beim Bohren dünner Platten ist es vorteilhaft, sie mit einer festen, planen Unterlage zusammen zu spannen, um ein Ausbrechen der unteren Lochkante zu vermeiden.

Ab einer Materialdicke von mehr als 5 Millimeter (mm) sollte mit Kühlschmierstoff oder Acrylglas verträglichem Bohröl, Emulsion in Wasser, gekühlt bzw. geschmiert werden. Dabei sollte der Bohrer wiederholt gelüftet werden, um Überhitzung auszuschließen.

Als Spezialbohrer sind Stufenbohrer und Kegelbohrer zu empfehlen. Stufenbohrer arbeiten rattermarkenfrei und garantieren eine saubere, riefenfreie, zylindrische Bohrung. Mit der jeweils nächsten Bohrstufe wird das Loch zugleich angefast und somit die Wirtschaftlichkeit des Arbeitsvorgangs erhöht. Kegelbohrer, dreischneidige Ausführung, erzeugen leicht konische Bohrungen, das Ausbrechen der unteren Lochkante wird vermieden.

Warum entsteht bei PLEXIGLAS

eine elektrostatische Aufladung?

Aufgrund der sehr guten Isolationseigenschaft hat PLEXIGLAS

hohe Oberflächen- und Durchgangswiderstände. Daher kann sich PLEXIGLAS

elektrostatisch aufladen. Die Begleiterscheinungen sind Staubablagerungen, seltener auch Funkenüberschlag.

Die Ursachen der elektrostatischen Aufladung können sein:

- mechanische Reibung mit festen Gegenständen, trockenen Tüchern oder Poliermitteln 

- Reibung durch trockene Luftströme 

- Abziehen der Schutzfolie von der Platte

Wie kann die elektrostatische Aufladung bei PLEXIGLAS

vermindert werden?

Die elektrostatische Aufladbarkeit lässt sich im einfachsten Fall mit Wasser oder einem antistatischen Reiniger beseitigen.

Die Haltbarkeit der antistatischen Behandlung steht im umgekehrten Verhältnis zur Flüchtigkeit der Wirksubstanzen in dem jeweiligen Behandlungsmittel. Je geringer die Reibung, je feuchter die Umgebungsluft, je geringer die Raumtemperatur, je weniger Staubanfall usw., desto länger hält die antistatische Wirkung an.

Eine weitere im Verarbeitungsablauf sehr rationelle Möglichkeit ist das Abblasen der Platte mit ionisierter Luft. Die Wirksamkeit dieses Verfahrens ist allerdings von kürzerer Dauer.

Die elektrostatische Aufladbarkeit lässt sich durch dünne metallische Oberflächenschichten auch dauerhaft vermeiden.

Was ist bei der Bearbeitung von PLEXIGLAS

Reflections (bisher PLEXIGLAS

RADIANT) zu beachten?

PLEXIGLAS

Reflections (bisher PLEXIGLAS

RADIANT) kann mit den gleichen Parametern und Geräten bearbeitet werden wie normale Acrylglasplatten. Entscheidend für eine einwandfreie und materialgerechte Bearbeitung von PLEXIGLAS

Reflections ist die korrekte Ausrichtung der vergüteten Oberfläche zum Verarbeitungsgerät:

- Beim linearen Erwärmen/Abkanten muss sich die beschichtete Plattenseite auf der

Zugseite befinden. 

- Auch beim flächigen Erwärmen sollte sich die beschichtete Plattenseite auf der Zugseite

befinden 

- Beim Sägen, Bohren und Fräsen sollte der Werkzeugaustritt immer auf der

unbeschichteten Plattenseite erfolgen. 

- Um eine höhere Klebfestigkeit zu erzielen, sollte die beschichtete Oberfläche

entsprechend der Klebefläche abgearbeitet werden.

Was ist Tempern und was ist dabei zu beachten?

Tempern bedeutet das Warmlagern von Spannung behafteten Kunststoffteilen in einem Wärmeschrank mit abschließend langsamer Abkühlung auf Raumtemperatur.

Für das „Spannungsfrei-Tempern" von PLEXIGLAS

gelten folgende Bedingungen:

- Temperaturen: PLEXIGLAS

GS ca. 80 Grad Celsius (°C) PLEXIGLAS

XT ca. 70 °C 

- Temperzeit PLEXIGLAS

GS und XT: Die Materialdicke in Millimeter (mm) dividiert durch 3

entspricht der Temperzeit in Stunden. Die Temperzeit sollte jedoch nicht unter zwei

Stunden liegen. 

- Abkühlung: Die Abkühlzeit im Wärmeschrank in Stunden entspricht bei PLEXIGLAS

der

Materialdicke in mm dividiert durch 4, die Abkühlgeschwindigkeit darf keinesfalls über

15 °C pro Stunde hinausgehen. Die Entnahmetemperatur sollte kleiner 60 °C betragen.

Was ist beim Sägen von PLEXIGLAS

mit Kreissägen zu beachten?

- Das Sägeblatt sollte nur knapp über die Platte hinausragen. 

- Unbedingt mit Anschlag arbeiten. 

- Vorsichtig mit laufender Säge ansägen. 

- Auf exakte Schnittführung achten. 

- Verkanten vermeiden. 

- Platten fixieren, um Flattern auszuschließen. 

- Mit mittlerem Vorschub sägen. 

- Ab 3 Millimeter (mm) Plattendicke mit Wasser, Kühlschmierstoff oder Druckluft kühlen.

Mit welchen Kreissägeblättern werden bei PLEXIGLAS

die besten Schnittergebnisse erzielt?

Zum Schneiden von PLEXIGLAS

sind ausschließlich ungeschränkte Kreissägeblätter geeignet. Nur so ist eine saubere und glatte Schnittfläche zu erzielen. Wir empfehlen, grundsätzlich hartmetallbestückte Sägeblätter mit der größtmöglichen Zahnzahl einzusetzen. Stumpfe und falsch geschliffene Blätter führen zu Ausbrüchen an der Unterseite der Platte. Die Zähne der Sägeblätter sollten wechselseitig schräg geschliffen sein, also ein Wechselzahnblatt mit Schrägen 15 Grad (°) und 45° alternierend. Außerdem empfehlen wir

- Freiwinkel von 10° bis 15° 

- Spanwinkel von 0° bis 5° 

- Schnittgeschwindigkeit bis 4.500 Meter/Minute (m/min) 

- Zahnteilung von ca. 13 Millimeter (mm)

Kreissägeblätter mit besonderer Form der Zahnflanken wie Bombastic und Spacecut ergeben riefenfreie, glatte Schnittkanten, wenn sie in einer technisch weiterentwickelten Sägemaschine verwendet werden, die u. a. mit Frequenzregelung und Vorschubsystem arbeitet.