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Mit dem U-Boot Tiefseewesen aufspüren

© Stiftung Rebikoff-Niggeler, Dave Mothershaw

Über Riesenkalmare wissen wir bisher nur wenig. Zwei Forscher der Stiftung Rebikoff-Niggeler sind mit ihrem U-Boot mit einer Sichtkuppel aus PLEXIGLAS® auf der Suche nach diesen geheimnisvollen Lebewesen.

Seit Jahrhunderten erzählen sich die Menschen Legenden über den Riesenkalmar. Walfänger berichteten von Fangarmen, die Pottwale erwürgten und bei Kämpfen Spuren auf Walhaut hinterließen. In der norwegischen Mythologie ist die Rede von riesigen Ungeheuern, die ganze Schiffe versenken. Bis heute ist wenig bekannt über den sagenumwobenen Riesenkalmar Architeuthis, doch das Forscherteam der LULA1000 will das Tier aufspüren.

Auf der Suche nach einem Fabelwesen

Die Tiefsee und ihre Bewohner sind erst zu einem Bruchteil erforscht. Über Riesenkalmare wissen wir weder, wie alt sie werden, noch, wie sie sich fortpflanzen oder gegen ihre größten Feinde, die Pottwale, verteidigen. Internationale Forscherteams versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen. Sie wollen das riesige Weichtier in seiner natürlichen Umgebung erforschen.

Fast 20 Meter lang

Einen ersten Erfolg hatte ein japanisches Team, das im Juli 2012 ein Tier mit einem Köder anlocken und über mehrere Minuten filmen konnte. Das Tier war nur drei Meter lang, da ihm die beiden Tentakel fehlten, mit denen Kalmare sonst ihre Beute greifen. Die Größe der Tiere war bisher schwer zu bestimmen, da ausschließlich verendete Tiere vermessen werden konnten. Weil die Kalmare zum Stamm der Weichtiere gehören, kann daraus nicht genau auf ihre Lebendgröße geschlossen werden. Schätzungen gehen davon aus, dass sie bis zu 16 Meter lang werden können.

Begeisterte Tiefseeforscher

Joachim und Kirsten Jakobsen erforschen mit der LULA1000 die Tiefsee. Die Sichtkuppel aus PLEXIGLAS® ermöglicht ihnen hierbei einen perfekten Ausblick. „Die Kuppel verschwindet einfach für das Auge und die Kamera“, berichten sie begeistert.

© Christoph Bauer / Röhm GmbH

Auch auf dem Wasser unterwegs

Die LULA1000 kann aufgetaucht auch selbstständig fahren, wird aber für längere Strecken von dem Katamaran Ada Rebikoff aufgenommen.

© Christoph Bauer / Röhm GmbH

Eine erste Spur

Den Riesenkalmar an sich konnten die Forscher zwar noch nicht aufnehmen, allerdings passierten sie direkt beim ersten Tauchgang eine große gelbliche Tintenwolke, die nur von einem Architeuthis stammen konnte.

© Stiftung Rebikoff-Niggeler

Perfekter Durchblick …

Auch andere Meereslebewesen, wie dieser Sechskiemerhai …

© Stiftung Rebikoff-Niggeler

… auf unbekannte Meereslebewesen

… oder dieser Tiefwasserkalmar, sind den Forschern schon vor die PLEXIGLAS® Sichtkuppel geschwommen.

© Stiftung Rebikoff-Niggeler

Eine unsichtbare Sichtkuppel aus PLEXIGLAS®

Ein U-Boot, mit dem Forscher auf der Suche nach den Riesenkalmaren sind, ist die LULA1000. „lula“ ist ein portugiesisches Wort und heißt auf Deutsch „Kalmar“. Das Tauchboot der Stiftung Rebikoff-Niggeler wurde speziell für Filmaufnahmen und Forschung in der Tiefsee entwickelt und kann bis zu 1.000 Meter tief tauchen. In dieser völligen Dunkelheit leben die Riesenkalmare, weshalb sie extrem lichtempfindliche Augen haben – groß wie Volleybälle.

Den Blick auf die Riesenkalmare ermöglicht eine von Röhm gefertigte und in Form gebrachte Sichtkuppel aus PLEXIGLAS®. Der Kontakt zwischen der Stiftung und Röhm entstand über die Fertigung der PLEXIGLAS® Sichtkuppel, des „Herzstücks des Tauchbootes“, wie Joachim Jakobsen es ausdrückt. Die von Röhm produzierte gebogene Scheibe sei bis ins Detail auf die Bedürfnisse des Projekts zugeschnitten worden.

„Da ein lebender Architeuthis in seiner natürlichen Umgebung gefilmt werden soll, waren neben der hohen Sicherheit auch die sehr guten optischen Eigenschaften von PLEXIGLAS® ein entscheidendes Element. Wenn wir tauchen, ist die Sichtkuppel quasi nicht existent“, beschreibt der Wissenschaftler den Eindruck bei Filmarbeiten unter Wasser.

Die Produktion der Sichtkuppel war für Röhm eine Herausforderung. Das PLEXIGLAS®, das vom Geschäftsgebiet Acrylic Products produziert wurde, musste bearbeitet werden, ohne seine optischen Eigenschaften zu verlieren. Dies erfolgte mit Wärme und Druck. Schon bei der Entwicklungsarbeit waren Vertreter des Germanischen Lloyd SE dabei und zertifizierten das Verfahren anschließend. Durch ihr besonderes Herstellungsverfahren ist die 14 Zentimeter dicke Sichtkuppel nun unter Wasser nahezu unsichtbar, sodass hochauflösende Videos auch in großer Tiefe ohne Verzerrungen gedreht werden können. Trotzdem ist die PLEXIGLAS® Sichtkuppel extrem belastbar, denn sie muss dem hohen Druck unter Wasser standhalten.

Die PLEXIGLAS® Sichtkuppel der LULA 1000

© Stiftung Rebikoff-Niggeler

Für die LULA1000 wurde ein etwa 1.000 Kilogramm schwerer Block PLEXIGLAS® verformt. Die Sichtkuppel mit einem Durchmesser von 1,40 Metern ist so gewölbt, dass sie einen Blickwinkel von 150 Grad bietet. An ihrer dünnsten Stelle ist sie nur 14 Zentimeter dick. In 1.000 Metern Tiefe lastet auf jedem Quadratmeter ein Druck von 1.000 Tonnen. Glas kann bei diesen Extrembedingungen nicht mithalten. Abschließend bearbeitet wurde die PLEXIGLAS® Scheibe durch die Spezialfirma Heinz Fritz Kunststoffverarbeitung GmbH.

Erste Spur beim ersten Tauchgang

Bereits beim allerersten Tauchgang passierte die LULA1000 eine mehrere Meter hohe gelbliche Tintenwolke, die nach einhelliger Expertenmeinung nur von einem Architeuthis stammen konnte. Doch bisher hat sich das schnelle und kluge Tier noch nicht gezeigt. Ein Fehlschlag? Im Gegenteil: Die LULA1000 hat bereits viele Stunden hochauflösender Videos aus der Tiefsee mitgebracht, eine ganze Reihe bisher unbekannter Arten dokumentiert, ein lebendes Kaltwasser-Korallenriff entdeckt und in 900 Metern Tiefe ein versunkenes deutsches U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg wiedergefunden, auf dem sich ein Tiefsee-Ökosystem gebildet hat.

Für die Wissenschaft und die Naturfilmer alles außergewöhnliche Entdeckungen, die weltweit bereits von mehreren Hundert Millionen Menschen auf ihren Bildschirmen gesehen wurden – in brillanter Qualität dank der Sichtkuppel aus PLEXIGLAS®.

Tief unter der Meeresoberfläche geht das Ehepaar Jakobsen auf die Suche nach dem Riesenkalmar

© Stiftung Rebikoff-Niggeler

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