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Musikinstrumente transparent wie Eis

© Evonik Industries AG, Konzernarchiv Hanau

Die Neugierde darauf, wie sich PLEXIGLAS® anwenden ließ, trieb Firmengründer Otto Röhm und seine Mitarbeiter in den 1930er-Jahren dazu an, sogar Musikinstrumente aus dem neuen Werkstoff herzustellen.

Die Forscher bei Röhm & Haas, einem Vorgängerunternehmen von Röhm, probierten bei der Verarbeitung von PLEXIGLAS® alles aus, was ihnen in den Sinn kam. Schnell stellte sich heraus, dass sich PLEXIGLAS® schneiden, bohren und fräsen ließ. Darüber hinaus ließen sich die fertigen Platten bei hohen Temperaturen unterhalb des Schmelzpunktes umformen. Begeistert von diesen Möglichkeiten, beauftragte der Kunst- und Musikinteressierte Otto Röhm im Mai 1935 einen Mitarbeiter, ihm eine Geige aus PLEXIGLAS® zu bauen.

Bereits ein halbes Jahr später konnte sie ihm vorgespielt werden. Der Klang schien zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht wirklich zu überzeugen. Röhm stellte fest, dass das handwerkliche Geschick eines Instrumentenbauers notwendig war, um ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen. Deshalb wurde der Darmstädter Geigenbaumeister Bruno Rügemer beauftragt, zwei Geigen und weitere Streichinstrumente aus dem Markenacrylglas von Röhm & Haas, heute Röhm, herzustellen. Die Fertigungsschritte waren die gleichen wie bei Holzinstrumenten.

Konzerte mit PLEXIGLAS® Instrumenten

Bekanntheit erlangte das Material weniger durch die Fachwelt als durch Konzerte auf PLEXIGLAS® Instrumenten. Beispielsweise spielte das Lutz-Quartett 1938 in der Ufa-Wochenschau und im Radio.

© Evonik Industries AG, Konzernarchiv Hanau

Konzerte mit PLEXIGLAS® Instrumenten

Der Violinist Bernhard Ette gab mit seinem Orchester 1937 ein Konzert auf PLEXIGLAS® Instrumenten auf dem Dachgarten des Hotels Eden am Bahnhof Zoo in Berlin.

© Evonik Industries AG, Konzernarchiv Hanau

Streich- und Blasinstrumente

Die Streichinstrumente aus PLEXIGLAS® waren aufgrund der schwachen Resonanzfähigkeit des Werkstoffs nur für Kammermusik geeignet. Die Flöten und Klarinetten hingegen hatten keinerlei akustische Nachteile gegenüber klassischen Holz- oder Metallinstrumenten.

© Evonik Industries AG, Konzernarchiv Hanau

Konzert im Treppenhaus

Das Dieffenbach-Damenquartett spielte 1937 auf PLEXIGLAS® Instrumenten ein Konzert im Treppenhaus des neuen Bürogebäudes von Röhm & Haas. Auf zwei Geigen, einer Bratsche, einem Cello – alle von Instrumentenbaumeister Bruno Rügemer aus PLEXIGLAS® hergestellt – präsentierten sie die Kaiservariation von Joseph Haydn.

© Evonik Industries AG, Konzernarchiv Hanau

Transparente Blasinstrumente

Angeregt durch die ersten Instrumente von Röhm & Haas, wollte auch die Firma Mönnig in Markneukirchen Blasinstrumente aus PLEXIGLAS® herstellen. Dafür setzten sich die Werkstattmitarbeiter zunächst intensiv mit dem neuen Werkstoff auseinander, um eine geeignete Bearbeitungsmethode zu finden und die dafür notwendigen Werkzeuge einzurichten.

Schließlich gelang es einem Mitarbeiter von Mönnig, aus Vierkantstäben aus PLEXIGLAS® ein Fagott, eine Flöte, eine Klarinette und eine Oboe herzustellen, indem er die PLEXIGLAS® Stäbe zunächst auf der Drehbank drehte und anschließend bohrte. Das PLEXIGLAS® ließ sich dabei wesentlich leichter bearbeiten als Holz, weshalb er pro Instrumentenkörper nur 90 Minuten für die Herstellung brauchte.

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