Raum anders gestalten
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Raumkompositionen aus Licht und Farbe

© Claus Rottenbacher

Organisch geschwungene Strukturen im Raum: Susanne Rottenbacher lässt sich für ihre Lichtkunst von PLEXIGLAS® und dessen vielfältigen Eigenschaften inspirieren.

Die grün-violett und gelb schimmernden Lichtbänder schrauben sich – von dünnen Drahtseilen gehalten – in kühnen Kurven bis zu sechs Meter hoch in die Luft. Durch die Oberlichter dringendes Tageslicht mischt sich mit dem Licht der farbigen LEDs und sorgt für ein faszinierendes Licht-, Farben- und Schattenspiel auf dem glatten grauen Fußboden. Diese raumfüllende Licht-Installation hat Susanne Rottenbacher „Disassembly“ genannt, was sich mit „Demontage“ oder „Zerlegung“ übersetzen lässt.

 

© Claus Rottenbacher

Sie wolle damit die „Zersplitterung von Licht und Farbe in den Raum hinein“ sichtbar machen, erläutert die Künstlerin. „Disassembly“ ist mit einer Fläche von 100 Quadratmetern eine ihrer größten Arbeiten für Innenräume und zugleich eine ihrer komplexesten Konstruktionen mit PLEXIGLAS® – in diesem Fall eigens gestaltet für die Berliner Galerie BOX Freiraum. Denn Rottenbacher bezieht bei der Gestaltung ihrer Kunst den Betrachter und die Umgebung immer mit ein.

So stehen die glatte Oberfläche und die Transparenz der Installation in einem starken Kontrast zu den Backsteinmauern des ehemaligen Pferdestalls, in dem sich die Galerie befindet.

Transparenz und Lebendigkeit

Überhaupt ist Transparenz ein wichtiger Aspekt von Rottenbachers Arbeit mit Acrylglas, aber nicht der einzige Grund, warum sie seit vielen Jahren fast ausschließlich damit arbeitet: „Mich interessieren auch die ‚mechanische‘ Tiefe des Materials und seine Lebendigkeit – die Durchsichten, Spiegelungen, Überlagerungen, Brüche und Farbschichtungen.“ Die Installation „Disassembly“ besteht zum größten Teil aus PLEXIGLAS®, das neben den programmierbaren LED-Lichtbändern Rottenbachers bevorzugtes Rohmaterial ist. Aus diesen Bestandteilen hat sie eine filigrane Arbeit geschaffen, die eine Kunstkritikerin an „fotografische Langzeitbelichtungen“ erinnert, „die nur Spuren von Bewegungen festhalten“.

Kunst trifft Kunststoff-Kompetenz

Dieser Eindruck filigraner Leichtigkeit ist das Resultat eines ausgeklügelten und sehr aufwendigen Herstellungsprozesses. Allein aus der Konstruktion und den imposanten Abmessungen von „Disassembly“ ergeben sich hohe technische Anforderungen an Bruchfestigkeit und Formstabilität des verwendeten Materials. Laut Michael Fritz, dem Leiter der Berliner Niederlassung des PLEXIGLAS® Vertriebspartners thyssenkrupp Plastics, wurde daher ein Material gesucht, das sich „gut verformen, polieren und bedrucken lässt“ sowie eine „exzellente UV-Beständigkeit“ aufweist.

Mit diesem Forderungskatalog landete man beinahe automatisch bei PLEXIGLAS®, wie Frank Fräntzel erklärt. Sein Unternehmen Fräntzel Kunststoffe GmbH in Rangsdorf bei Berlin arbeitet als Verarbeiter seit mehr als fünf Jahren mit Susanne Rottenbacher zusammen. Gemeinsam haben die Partner weit über ein Dutzend Projekte von Berlin bis Baden-Württemberg sowie in Nizza, Osaka und Mumbai für Privatleute, Museen und Unternehmen realisiert.

„Bei ‚Disassembly‘ wurde zu etwa 85 Prozent mit farblosem PLEXIGLAS® GS gearbeitet“, erklärt Fräntzel. Die Farbe wurde nachträglich im Digital-Direktdruckverfahren aufgebracht; die Platten wurden dann gesägt, gefräst und zum Teil thermisch verformt. Für die Verbindung verschiedener Elemente aus PLEXIGLAS® war ACRIFIX® 2R 0190 das Mittel der Wahl. Denn der Mehrkomponentenklebstoff agiert „wie flüssiges PLEXIGLAS® und ermöglicht absolut blasenfreie und unsichtbare Verbindungen“, wie Fräntzel erläutert.

Nur für die Kabelkanäle und die Röhren, in denen die LED-Lichtbänder verlaufen, wurde kalt verformbares Polycarbonat eingesetzt und mit den Elementen aus PLEXIGLAS® verschraubt. „Die Außenhaut musste perfekt sein, wie aus einem Stück“, betont Fräntzel – und in Sachen Oberflächenqualität und Polierbarkeit habe Röhm mit seinem Markenacrylglas „immer noch die Nase vorn“.

Wie ein rotierendes, Funken stiebendes Rad

Die Lichtskulptur „Spin!“ aus dem Jahr 2017 ziert einen Gebäudekomplex in Mumbai. Besonders bei Nacht entfaltet die zweieinhalb Meter hohe Arbeit ihre hypnotische Wirkung im Garten des luxuriösen Büro- und Einkaufszentrums.

© Claus Rottenbacher

Dynamik und Energie

Aber auch bei Tageslicht ist „Spin!“ ein strahlender Blickfang, der gut in diese exklusive Umgebung in der dynamischen Wirtschaftsmetropole Mumbai passt.

© Claus Rottenbacher

Mission Mumbai

Rottenbacher entwirft jedoch nicht nur Kunst für Innenräume, sondern auch für Außenbereiche. Das dafür verwendete Material muss völlig anderen Anforderungen genügen, denn es ist beispielsweise Kondenswasser, Korrosion, Hagel sowie Gewicht durch Schnee- oder Wassermassen ausgesetzt. Dadurch werden Arbeiten für den Außeneinsatz „viel massiver in Materialdicke und Konstruktion als die Innenarbeiten, was aber optisch nicht bemerkbar sein soll“, erläutert die Künstlerin.

Besonders deutlich zeigt sich das an der Lichtskulptur „Spin!“, die wie ein rotierendes, Funken stiebendes Rad einen neuen Gebäudekomplex in Mumbai ziert: Ihre Außenhaut besteht aus 10 Millimeter dickem PLEXIGLAS®, damit die Konstruktion auch starken Monsunregen sowie Sturmwinde übersteht. Dennoch wirkt sie durch die Transparenz des Materials nicht massiv. „Außerdem bleibt PLEXIGLAS® über viele Jahre frei von Rissen und Verfärbungen – und auch die weit angelegte Temperaturbeständigkeit und der materialeigene UV-Schutz sind wichtig“, sagt Rottenbacher. So können sich Auftraggeber und Betrachter viele Jahre und Jahrzehnte an ihren Werken erfreuen.

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