Dach & Fassade

Wie ein Geflecht aus leuchtenden Stäben

© Sven Rahm Fotografie, Königsbrunn/Augsburg

In eine Aluminiumstruktur eingewobene LED-Leuchtrohre prägen die ungewöhnliche Fassadenverkleidung der WWK Arena in Augsburg. Ohne PLEXIGLAS® wäre dieses Design nicht möglich gewesen.

„Den Spielgegner einwickeln“, dafür soll das Mikadostab-ähnliche Geflecht der Stadionfassade nach dem Willen des Architekten Titus Bernhard sinnbildlich stehen – schließlich ist die WWK Arena Spielstätte des Fußball-Bundesligisten FC Augsburg und als FIFA-Stadion auch der deutschen Fußball-Nationalmannschaften. Doch bis aus dieser Gestaltungsidee eine reale Fassade wurde, vergingen mehr als acht Jahre.

Das neue Wahrzeichen von Augsburg

Ursprünglich hatten die Architekten, Titus Bernhard und Peter Kögl von der B&K Stadionplanungsgesellschaft, eine Stadionhülle aus Profilit-Glas in den Vereinsfarben Rot, Grün und Weiß geplant. Doch diese Idee wurde als zu kostspielig verworfen – das Stadion blieb zunächst ohne aufwendig gestaltete Fassade.

Mit dem Einstieg der WWK Versicherungsgruppe als Hauptsponsor des FC Augsburg zur Saison 2015/16 kam schließlich neue Bewegung in die Angelegenheit: „Wir sehen unser Logo gerne auf einem Gebäude, das ein ansprechendes Äußeres hat“, sagt Jürgen Schrameier, Vorstandsvorsitzender der WWK Versicherungsgruppe. „Das ist bei der WWK Arena nun definitiv der Fall – uns würde freuen, wenn das Stadion das neue Wahrzeichen von Augsburg wird.“

Kombination aus Alu und Licht

© Sven Rahm Fotografie, Königsbrunn/Augsburg

Die WWK Versicherungsgruppe entschied sich als Bauherr für eine Kombination aus 36.000 laufenden Metern Aluminiumrundprofilen und 1.300 laufenden Metern leuchtenden Röhren als Fassadenverkleidung des FCA-Stadions. Mehr als acht Jahre nach der offiziellen Stadioneröffnung konnte die Fassade im September 2017 schließlich fertiggestellt werden.

Außergewöhnliche Beleuchtung

Wo sonst roher Beton die Besucher des Stadions empfing, beeindruckt nun eine außergewöhnliche Architektur: Bei Tag erscheint die Hülle der Arena wie ein gleichmäßig gewobenes Nest, da die weißen Lichtrohre unbeleuchtet kaum auffallen – die Fassade wirkt fast homogen aluminiumfarben. In der Dunkelheit hingegen sind die leuchtenden Elemente der Außenverkleidung schon aus der Ferne zu sehen. „Licht ist einfach ein sehr auffälliges und gleichzeitig sehr attraktives Gestaltungselement“, erläutert Stadionarchitekt Bernhard. „Damit kann man Architektur im fast wörtlichen Sinne zu einem Leuchtturm machen.“ Doch die Leuchtstäbe sind nicht nur ein Gestaltungselement, sondern als statisch tragendes Element in die Fassade integriert. „Dieser Aufbau war konstruktiv eine große Herausforderung“, erläutert Bernhard.

Eine Herausforderung selbst für die Lichtexperten vom Atelier of Light der Zumtobel Group, welches bei dem europäischen Marktführer für professionelle Beleuchtungssysteme architektonische Projekte mit Sonderlösungen umsetzt: „Einen acht Meter langen Leuchtstab, der zudem statisch und konstruktiv Teil einer so großen Fassade ist, hatten wir zuvor auch noch nicht entwickelt – und vermutlich auch sonst noch niemand“, sagt Oliver Mosselman, der bei Zumtobel für das Projekt verantwortlich war. Auch die Lichttechnik war eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe, denn die Lichtröhren sollten durchgehend – selbst an den Endstücken – homogen leuchten.

Homogene Lichtverteilung

Die Lichtdesigner bei Zumtobel entwarfen schließlich spezielle „Light Tubes“ mit bis zu acht Metern Länge und 20 Zentimetern Durchmesser – was den Dimensionen der Aluminiumrundprofile entspricht. Jede Lichtröhre besteht aus einem sechs Millimeter starken Rohr PLEXIGLAS® XT WN370, in einem glänzenden Weißton. Beleuchtet werden die Rohre durch IP67-RGB-LED-Lichtbänder, die für eine möglichst gleichmäßige Lichtverteilung zusätzlich mit einer lichtstreuenden Abdeckung ausgestattet sind. „Wir haben uns für PLEXIGLAS® entschieden, weil es für diese Art von Anwendungen einfach am weitesten entwickelt ist“, sagt Beleuchtungsexperte Mosselman. „Mit PLEXIGLAS® erreichen wir eine möglichst hohe und gleichmäßige Leuchtdichte an der Oberfläche der Röhre, die sich dadurch sehr exakt von der Umgebung absetzt.“ Verstärkt wird dieser Eindruck noch einmal dadurch, dass das Stadion von außen anthrazitfarben gestrichen wurde.

Riesige Lichtstäbe

Jede Röhre ist in ihrer Farbe und Intensität separat steuerbar. Unbeleuchtet erscheinen die Röhren in einem glänzendem Weißton, beleuchtet können sie theoretisch in mehr als 16 Millionen verschiedenen Farben erstrahlen – beispielsweise in den Farben des FC Augsburg: Rot, Grün, Weiß. Durch die energiesparende LED-Beleuchtung liegt der Jahres-Gesamtenergieverbrauch bei unter 10.000 Euro – ein wichtiger Faktor in der CO2-neutralen Arena.

© Jens Weber & Orla Connolly, München

Lichtkonzept

Ergänzt wird das Beleuchtungskonzept durch 36 Strahler von Thorn, einer weiteren Marke der Zumtobel Group, die auf bereits bestehenden Lichtmasten um das Stadion herum montiert wurden. Die kompakten und leistungsstarken LED-Scheinwerfer unterstützen die „Light Tubes“ in der Illuminierung der imposanten Stadionfassade und dienen als Grundbeleuchtung der Fassadenstruktur.

© Jens Weber & Orla Connolly, München

135 Röhren, bis zu acht Meter lang

Die Umsetzung des Entwurfs wurde dann zu einem Mammutprojekt. „Es ging ja schließlich nicht um eine einzelne Lichtröhre, sondern um 135 Stück“, sagt Mosselman. „Das ist ein weiterer Grund, warum wir uns gemeinsam mit unserem Fachverarbeiter, der Heinz Fritz GmbH, für PLEXIGLAS® entschieden haben: Wir waren davon überzeugt, dass nur Röhm diese Menge in der erforderlichen Größe und in gleich hoher Qualität liefern kann.“

Die Experten für Kunststoffverarbeitung bei der Heinz Fritz GmbH lagerten die einzelnen Rohre zunächst 24 Stunden in einem Wärmeschrank, um die Spannungen im Material abzubauen. Danach frästen sie jedes Rohr der Länge nach auf. Die entstandene Nut wurde schließlich auf ein Aluminiumprofil mit der LED-Leiste geschoben, und die Enden der Rohre wurden mit Deckeln, ebenfalls aus PLEXIGLAS® XT WN370, verschlossen.

Witterungsbeständige Fassade

„Trotz der Deckel sind die Röhren als offenes System konstruiert, das einen Dampfdruckausgleich ermöglicht und potenzielle Kondensat-Ansammlung verhindert“, erläutert Mosselman. Die LED-Lichtbänder sind dafür wasserfest ausgerüstet – und auch den Röhren selbst können Wind und Wetter nichts anhaben: „PLEXIGLAS® ist sehr witterungsbeständig“, sagt Mosselman. „Das war für uns das Hauptkriterium und ein sehr wichtiges Argument dafür, dass wir uns für dieses Material entschieden haben.“ Denn schließlich ist die außergewöhnliche Stadionfassade in Augsburg dauerhaft Sonnenlicht, Regen oder Schnee ausgesetzt – und soll nichtsdestotrotz auch noch in vielen Jahren genauso spektakulär erstrahlen.

Übrigens: Um das Gesamtbild der Fassade weiter abzurunden, werden im Sommer 2018 noch 35 weitere Lichtröhren installiert.

Entdecken Sie die neue Fassade der WWK Arena in Augsburg

Quelle: YouTube/WWK Versicherungen

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