Möbel & Innenausbau

Gutes Farbdesign braucht Herz und Verstand

6 min.

Wie entstehen Trendfarben? Farbexperte Karl Johan Bertilsson spricht im Interview über Farbpsychologie und Tücken beim Einsatz von Farbe und Material. Und er prognostiziert einen Farbenrausch nach der Corona-Pandemie.

© Vandathai / shutterstock.com

Jedes Jahr bringt Farbtrends hervor, die uns in Mode sowie bei Möbeln, Wohnaccessoires und Ladeneinrichtungen begegnen. Woher kommen diese Trendfarben, beispielsweise die Pantone® Farben des Jahres 2021: Ultimate Gray + Illuminating? Und wie lange bleiben sie? Spiegeln sie den kollektiven Zeitgeist oder manipulieren sie unseren Farbgeschmack? Und was sollten Designer, Innenausstatter und Hersteller beim Einsatz von Farben unbedingt beachten? PLEXIGLAS® hat einen der bekanntesten Farbexperten gefragt: Karl Johan Bertilsson.

Herr Bertilsson, wie entstehen Farbtrends und wer definiert sie?

Im Unterschied zu anderen Entwicklungen basieren Farbtrends nicht auf Innovationen. Es gibt keine „neuen“ Farben, alle Farben existieren als Phänomene unserer Welt. Farbtrends werden von zwei Faktoren bestimmt: von einem sich wiederholenden Zyklus wechselnder Farbvorlieben, der rein psychologisch bedingt ist, und von externen Treibern. Das kann alles Mögliche sein: Wirtschaftskrisen, Kriege und Klimawandel oder lokale und kulturelle Einflüsse.

Wieso wechseln Farbvorlieben?

Wenn wir über einen gewissen Zeitraum immer wieder mit ähnlichen Farbeindrücken bombardiert werden, ermüdet unser Geist und strebt dem anderen Extrem zu. Das ist stark vereinfacht ausgedrückt, tatsächlich verläuft der Wechsel Schritt für Schritt in Nuancen: von kräftigen, gesättigten Farben hin zu etwas stumpferen, dunkleren Farben, weiter zu den helleren und pastelligen Farben, bis wir die neutrale Stufe der Grautöne erreichen. Und dann wieder zurück zum anderen Extrem. Wir können diesen Zyklus nicht beeinflussen, er erfasst die meisten Menschen auf diesem Planeten gleichermaßen.

Karl Johan Bertilsson ist Creative Director und Mitglied der Colour Trend Forecasting Group bei NCS Colour. Das Natural Colour System (NCS) ist ein international anerkanntes, standardisiertes Farbsystem, das vom Skandinavischen Farbinstitut in Stockholm entwickelt wurde.

Wirklich? Gleichen sich Farbtrends weltweit, trotz unterschiedlicher kultureller Hintergründe?

Selbst wenn wir gewisse Vorlieben auf lokale und kulturelle Einflüsse zurückführen können, sind Farbtrends heute globaler denn je. Vor kurzem hielt ich einen Workshop in Mailand, mit Teilnehmern aus Europa, den USA und China. Als wir ihre Visionen der aktuellen und kommenden Farbtrends verglichen, ähnelten sich die Farbpaletten stärker, als ich das bisher gesehen hatte – weil die Einflüsse ähnlich sind: Wir alle durchleben diese Pandemie. Menschen sind über das Internet verbunden und sehen, was rund um die Welt los ist.

© Zamurovic Brothers / shutterstock.com

Stellt sich bei Trendfarben nicht auch die Henne-Ei-Frage? Finden wir Gefallen an diesen Farben, weil wir sie ständig sehen?

Ein schönes Beispiel dafür ist die beliebte TV-Serie „Orange Is the New Black“, die in einem Gefängnis in den USA spielt. Die Insassen tragen orange Häftlingskleidung. Und dann wurde Orange trendy – in einem derart extremen Ausmaß, dass einige Haftanstalten die Farbe der Kleidung änderten, denn dieses leuchtende Orange hat einzig den Sinn, geflohene Häftlinge schnell zu erkennen. Und auf einmal trug jeder Orange! Die Geschichte ist absurd, aber wahr. Trotzdem stimmt es nicht, dass die TV-Serie den Farbtrend ausgelöst hat, sie war allenfalls ein Verstärker, denn wir waren schon auf kräftige Farben eingestimmt.

Inwiefern?

Setzt man Farben, ohne erkannt zu haben, für welche Farbtöne Menschen gerade empfänglich sind, werden sie sie nicht annehmen. Wohl aber, wenn man vor der Entwicklung eines Farbtrends sorgfältig recherchiert hat.

Gerade Orange und Gelb sind Farben, die wir besonders schwer akzeptieren können. Wird Gelb jedoch zur Trendfarbe, die wir auf vielen Dingen sehen, dann nehmen wir es eines Tages an und möchten es einbeziehen. Das ist der subtile Effekt von Trendfarben. Trotzdem heißt das nicht, dass wir sie überall einsetzen können.

„FARBE – DAS IST NICHT NUR ÄSTHETIK, SONDERN AUCH FUNKTION UND BEDEUTUNG.“

Karl Johan Bertilsson, Creative Director bei NCS Colour

Das führt zu einem interessanten Aspekt: Dieselbe Farbe kann je nach Material und Oberfläche unterschiedlich wirken. Worauf sollten Möbeldesigner und Ladenbauer achten?

Manche Farben sind ungünstiger für große Oberflächen, zum Beispiel Gelb, wegen seines enormen Helligkeitsanteils. Blickt man zu lange auf eine gelbe Fläche, wird es einem schwindlig und man hat das Bedürfnis, die Augen auf einer dunkleren Farbe auszuruhen. Deshalb wird Gelb eher auf kleineren Flächen, als Farbtupfer oder in Verbindung mit anderen Farben verwendet. Ein Designer könnte auch einen weniger intensiven Gelbton wählen, vielleicht ein dunkleres Gelb.

Designer sollten also gut abwägen, wie sie Trendfarben nutzen?

Für die Inneneinrichtung gibt es einfache Regeln: Je intensiver die Farbe, desto kleiner die Fläche, auf der man sie einsetzt. Und wer mit sehr hellen und kräftigen Farben arbeitet, sollte sie mit ruhigeren ausbalancieren, weil zu viel Helligkeit ermüdet. Man muss drei Dimensionen im Blick haben: Farbzirkel, Farbton und Nuance. Dabei ist der Farbton an sich oft weniger entscheidend als die Nuance, also wie stark, dunkel oder hell die Farbe ist.

Trendfarben

Gelb sollte wegen seines enormen Helligkeitsanteils eher auf kleineren Flächen, als Farbtupfer oder in Verbindung mit anderen Farben verwendet werden.

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Trendfarben

Farben wirken auf Textilien anders als auf Kunststoff.

© Olga Prava/shutterstock.com

Trendfarben

Ein intensiver Farbton auf einer hochglänzenden Oberfläche spiegelt sich auch auf den umgebenden Flächen.

© Röhm GmbH

Farbiges PLEXIGLAS®

Das Markenacrylglas von Röhm ist in vielen Standard-Farben verfügbar, lässt sich auf Wunsch beliebig einfärben und farbig hinterdrucken. Deshalb passt es zu jedem Farbtrend – beispielsweise auch zu den Pantone® Farben des Jahres 2021: Ultimate Gray + Illuminating.

Auch die Beschaffenheit des Materials spielt eine Rolle. Farben wirken auf Textilien anders als auf Kunststoff. Was bedeutet das für die Verwendung von Farben auf Materialien mit hochglänzenden Oberflächen, beispielsweise PLEXIGLAS®?

Ein Material mit einer glänzenden Oberfläche kann spannende Farbakzente setzen: So spiegelt sich ein intensiver Farbton auf einer hochglänzenden Oberfläche auch auf den umgebenden Flächen. Das ist ein faszinierender Effekt, mit dem man spielen kann. Bei PLEXIGLAS® hat man neben dem Glanz auch unterschiedliche Grade an Lichtdurchlässigkeit.

Es macht einen Unterschied, ob ein farbiges Material opak ist oder transparent beziehungsweise transluzent, weil dann die Dinge dahinter sichtbar sind. Designer, die diesen Werkstoff verwenden, sollten diese Effekte berücksichtigen.

Können Sie ein paar Tipps dafür geben?

Jeder Laden ist eine dynamische Umgebung, denn mit jedem Wechsel der Ware wechseln auch die Farben. Für transluzente Elemente im Ladenbau sollte man eine kräftige Farbe wählen, die zwar die Konturen der Produkte dahinter erkennen lässt, aber nicht deren Farben. Auch die Lichtquelle spielt eine Rolle. Wenn Licht beispielsweise durch eine transluzent rote Fläche scheint, fällt ein rosa Schimmer auf die Ware dahinter. Das ist womöglich nicht erwünscht.

Wie beeinflusst Farbe die Stimmung von Kunden?

Jeder Einsatz von Farbe hat Folgen. Dessen müssen Designer sich bewusst sein. Die Frage etwa im Ladenbau ist: Welche Stimmung möchte man vermitteln? An der Kasse sollte man sehr kräftige, gesättigte Farben wie leuchtendes Rot und Orange vermeiden, weil sie nervös machen. An anderen Stellen kann es dagegen sinnvoll sein, die Kunden ein bisschen nervös zu machen, sie zu aktivieren.

Gutes Farbdesign entsteht in der Balance von Intuition und rationalen Entscheidungen. Man muss Herz und Hirn zusammenbringen und ganz genau wissen, was man mit Farben bewirkt. Farbe – das ist nicht nur Ästhetik, sondern auch Funktion und Bedeutung.

Wie stark spielen Trendfarben bei Ihren Produkten eine Rolle?

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Nichtsdestotrotz sind Farbtrends einem schnellen Wechsel unterworfen. Lohnt es sich überhaupt, Produkte in einer Trendfarbe zu produzieren, wenn im nächsten Jahr schon wieder andere Farben angesagt sind?

Ich vereinfache das jetzt sehr stark: Je intensiver die Farbe, desto schneller sieht man sich daran satt. Für große, teure und langlebige Möbel eignen sich also weniger intensive Farben besser. Für die Hersteller ist das ein Balanceakt: Sie müssen Produkte vorhalten, die den Kunden länger gefallen – und gleichzeitig müssen sie beweisen, dass man bei ihnen auch die neuesten Trends bekommt. Ikea zum Beispiel produziert Massenmöbel, will aber als trendy wahrgenommen werden.

Eine Möglichkeit ist, eine Möbellinie in einer extrem angesagten Farbe zu positionieren – obwohl klar ist, dass die meisten Leute das nicht kaufen werden. Sie werden sich am Ende nicht für das rote, sondern für das graue Sofa entscheiden. Trotzdem erwarten sie, dass ein rotes Sofa da ist, wenn Rot gerade Trendfarbe ist.

© ganjalex / shutterstock.com

Lassen Sie uns in die nahe Zukunft schauen: Wie sieht Ihre Farbprognose für 2022 aus?

Wenn die Corona-Pandemie überstanden ist, gibt es einen großen Gefühlsausbruch! Wir werden verrückte Kombinationen kräftiger Farben sehen. Viele Modehäuser positionieren sich bereits mit psychedelischen Mustern – kontrastreichen, grellen Farben, die durcheinanderwirbeln wie im Rausch. Es folgt eine Übergangsphase mit Extremen, die einander überlagern, von den psychedelischen Farben bis zu viel helleren Farbpaletten.

Einige unserer Trendexperten gehen sogar davon aus, dass wir danach erst mal gar keine Reize mehr mögen. In der Zeit nach dem Farbenrausch geht die Entwicklung zu Einzelfarben statt Colour Blocking, zu beruhigenden und natürlichen Farben, etwa hellen Grüntönen, weil uns Natur so wichtig geworden ist.

„NACH DER PANDEMIE WERDEN WIR VERRÜCKTE KOMBINATIONEN KRÄFTIGER FARBEN SEHEN.“

Farbexperte Karl Johan Bertilsson

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